Tioga Pass

Der Tioga Pass in Yosemite National Park war Anfang April noch geschlossen, weil es zu viel Schnee gab. Auf Youtube finden sich jedoch viele Drive Through-Videos für einen kurzen Eindruck. Natürlich ist es nicht das gleiche, wenn man nicht selbst in person da ist, um die Luft zu atmen, den Stein anzufassen, die Wälder und die Wiesen zu sehen.

Yosemite

Spring Break ist gerade vorbei: Wir waren endlich im wunderbaren Yosemite National Park und genossen schönstes Frühlingswetter! Die Buben waren die ganze Zeit über meistens an irgend einem Boulder anzutreffen, wo ihre Kumpels ebenfalls gerade übten, den Stein zu bezwingen. R. und ich wanderten herum und bestaunten die berühmten Gipfel.

Das Yosemite Valley liegt etwa auf 2’000 Meter über Meer, die Gipfel rund 1’000 bis 1’500 Meter höher. Weiter Richtung Nevada, in der High Sierra, geht es dann gleich auf 4’000 Meter über Meer hoch. Für diese Höhe gibt es im Valley auf 2’000 Metern jedoch noch sehr viel Vegetation, Laub- und Nadelbäume, blühende Sträucher, Blumen und auch Wiese. Obwohl der Granit sehr dominant ist verleiht die Flora dem Hochtal eine gewisse Lieblichkeit, die sich vor allem am Abend, in der Abendsonne zeigt. Der El Capitan oder der Half Dome erglühen dann in einem warmen Schein. Der an sich harte Granit erscheint dann sogar weich im Licht, geschichtet wie Schiefer. Dome heissen die Gipfel, weil sie rund sind, wie Kuppeln.

Yosemite ist ein National Park. Diese wurden gegründet, um Natur, so wie sie ist, möglichst unverändert, zu erhalten und allen zugänglich zu machen. Auf den Bildern sieht man denn von Weitem auch kein einziges Haus oder irgend ein Gebäude, obwohl es ein Yosemite Village gibt, einen Lebensmittelladen, eine Polizeistation, ein Medical Center, einen Richter, natürlich die Park-Ranger, ein Hotel, die Yosemite Valley Lodge, Campingplätze und ein paar wenige Restaurants oder Bars. Dann auch die Souvenirläden und ein paar Educational Centers. Aber sonst nichts, vor allem keine privaten Ferienhäuser oder -wohnungen.

Weitere Lodges gibt es nur ausserhalb des Parks, z. B. die Cedar Lodge, doch dies bedeutet bis zu 45 Minuten oder länger Autofahrt, bis man dann wieder im Park ist, und allenfalls Stau vor dem Eingang. Unsere kleine Wohnung lag etwa 30 Auto-Minuten vom Village im Westen des Parks. Dort gibt es tatsächlich zwei Condominiums mit je etwa 10 kleinen Wohnungen für maximal 4 Personen. Es gibt also nur beschränkt Platz. Wer keinen Platz mehr bekommt, muss abends wieder aus dem Park raus.

Um frei zu campen braucht man einen Wilderness-Permit, eine Bescheinigung, dass man weiss, welche Gefahren lauern und wie man sich richtig verhält, wie man zum Beispiel Nahrungsmittel richtig aufbewahren muss, damit kein Bär vor dem Zelt auftaucht. Der Wilderness-Permit ist ein Ausweis, mit dem man sich als wildniserfahren ausweist. Man weiss dann zum Beispiel auch, wie man bei Minustemperaturen oder bei anderen garstigen Wetterbedingungen draussen zurecht kommt oder was man tut wenn irgend ein Unwetter aufzieht. Oder wenn die Klapperschlange zubeisst, auch dann muss man wissen, wie man überlebt. Das sind natürlich nur zwei Aspekte. Wenn man ausserhalb der Campgrounds zeltet, dann weiss man, dass das hier Wildnis ist. Wir hörten nachts die Koyoten heulen. Obwohl wir im geschützten Condo übernachteten und bestimmt kein Koyote in die Nähe kommen würde, waren die Rudel nah genug, um einen Eindruck von Wilderness zu hinterlassen.

Auf der Website des Parks wird empfohlen, Übernachtungsmöglichkeiten 366 (!) Tage im Voraus zu buchen. Nun, es gibt einen Walk-in Campground. Vielleicht hat man dann da spontan Glück. Unsere Wohnung konnten wir zwei Monate im Voraus gerade noch buchen. Glück gehabt. Die vier Tage waren wunderbar!

Groundhog Day

Heute ist Groundhog Day, Murmeltiertag.

Am 2. Februar jeweils wird in Punxsutawney, Pennsylvania, der Groundhog Day gefeiert. An diesem Tag wird das Wetter bzw. der Frühlingsbeginn vorausgesagt, denn das Murmeltier Phil erwacht aus dem Winterschlaf und torkelt aus seinem Bau ans Tageslicht. Wenn es nun seinen Schatten sieht, dann bedeutet das, dass die Sonne scheint. Aber der Groundhog meint nicht etwa, dass jetzt der Frühling beginne, im Gegenteil. Er dreht sich um und geht wieder schlafen: Der Winter soll dann nämlich noch weitere sechs Wochen anhalten.

Falls aber Phil das Murmeltier keinen Schatten sieht, dann ist es bewölkt. Dann kriecht es aus der Höhle und sagt einen frühen Frühlingsbeginn voraus.

So feiert man in Pennsylvania jeden 2. Februar den Groundhog Day. Heuer wird es also laut Phil, dem Murmeltier, noch sechs Wochen dauern, bis der Frühling kommt.

Women’s March San Francisco

Impressionen vom Women’s March in San Francisco am 21. Januar 2017, einem Tag nach der Inauguration von Präsident Donald Trump. Am March haben mehr als 100’000 Personen teilgenommen, dies trotz strömenden Regens!

Die Stimmung war gut. Es kamen Frauen, Männer, Töchter, Mütter, Söhne, Väter, Latinos, African-Americans, Asiaten, Weisse, Menschen aller Religionen, allen Alters, aller sexuellen Ausrichtungen. Die Medien hier sprechen von der grössten Protestveranstaltung seit es die USA gibt.

Angesichts der teilweise verstörenden Äusserungen Trumps und seines Gefolges hat mich dieses Event etwas beruhigt. Es war wichtig zu sehen, dass die Menschen auf die Straße gehen für Menschenrechte, Frauenrechte, Demokratie, Toleranz und Respekt. Wir sollten aktiver dafür einstehen.

Heute habe ich einen Kommentar gelesen irgenwo im Netz, dass in Europa niemand für Europa auf die Straße geht um zu zeigen, dass ein geeintes Europa im Kampf gegen Rechtsextremismus und Faschismus Bedingung ist, um unsere Demokratie zu stärken und zu retten. Es steht viel auf dem Spiel. Wir sollten es ernst nehmen und aktiv werden! Wir müssen nicht akzeptieren, was rechte Demagogen lautstark verlangen oder verkünden! Wir können Nein sagen. Nein zu Rassismus, Intoleranz, Frauenfeindlichkeit!

wm jan212017 from Miriam Fischer on Vimeo.

Ugly Christmas Sweater

Ugly Christmas Sweaters

Der Ugly Christmas Sweater (UCS) ist ein besonders, bunter, mit Weihnachtsmotiven geschmückter, hässlicher Pullover, den früher, so vermutet man,  die alten Tanten für die Familienmitglieder strickten und sie ihnen dann zu Weihnachten unter den Baum legten.

Der Urban Dictionary beschreibt die Sweater als

„A hideous article of clothing, received from relatives who don’t like you.“

Die Sweater wurden natürlich in die Kleiderschränke verbannt. Die Pullover waren ursprünglich wohl als besonders originell betrachtet und vor allem Kindern geschenkt. Doch besonders Teenager wären lieber auf der Stelle in den Boden versunken, als so eine Scheusslichkeit zu tragen.

Die Tradition des Christmas Sweater nahm in den USA laut TIME Magazine im späten 19. Jahrundert ihren Anfang.  Wirklich äusserst hässliche Exemplare sollen in den letzten Jahrzehnten dann aufgetaucht sein. Bill Cosby, heute anderweitig bekannt, soll sich dann in seiner Show als Ugly Sweater Ikone hervorgetan haben. Andere Prominente taten das Ihre dazu, dass die bunten Klamotten ihre Popularität behielten. in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts begann der Ruf der UCS dann zu schwinden. Aber nicht für lange. Etwa zehn Jahre später begann man die Geschmacklosigkeiten dann doch zu vermissen und damit  war ein neuer alter Trend wiedergeboren: Der Ugly Christmas Sweater.

Der Ugly Christmas Sweater steht für Spiessertum, genau so wie die Mom Jeans respektive die Dad Jeans, mit denen niemand Geringereres als Barack Obama Furore machte. Endlich dufte man sich einmal im Jahr über die Biederkeit lustig machen und sich in solch abstossenden Kleidern zeigen. Aber aufgepasst: Nur in den vier Wänden, in denen die Party stattfindet, doch niemals im öffentlichen Raum! Wer also auf dem Weg zu einer Party ist, muss dafür sorgen, dass sich die Umwelt dieser Geschmacklosigkeit nicht aussetzen muss. Man bedeckt sich und seinen UCS züchtig mit einer Jacke oder einem Mantel.

By the Way: Die Mom Jeans sind ja scheint’s wieder in. Echt jetzt. 😉

Ugly Sweater Lebkuchen

Im Westen viel Neues

Der November war ein furchtbarer Monat. Seit der Präsidentschaftswahl am 8. November steht die Welt hier Kopf, vor allem hier in Berkeley oder Oakland, wo der Donald nur etwa 3.1 % resp. 5.6% der Stimmen bekommen hat. Für die Leute hier in Berkeley sind es immer noch 3000 Leute zu viel.

Im ersten Moment nach der Wahl waren viele Menschen hier vollkommen aufgelöst. Einige haben geweint, noch Tage danach, gestandene Leute, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Eine deutsche Mom, die seit dreissig Jahren in den USA lebt, sagte an einem Parent Meeting der High School, dass sie sich deutsche Pässe besorgt habe nach der Wahl. Sie hätten zwar beschlossen, hier zu bleiben, aber man wisse ja nie. Nach dreissig Jahren nach Deutschland zurückzukehren mit den schon fast erwachsenen Kindern, die noch nie in Deutschland lebten, wäre sicher auch nicht ganz einfach. Und eine andere Mom, die zudem Prorektorin der Schule ist, erzählte, ihr Fünfjähriger erwache nachts und frage, ob die Mauer nun gebaut würde. Sie ist mit einem Mexikaner verheiratet und hat drei kleine Jungs zwischen 5 und 10 Jahren. Eine Mom mit indischem Hintergrund beschriebt, wie ihre Tochter am Tag danach reagierte. Ihre Tochter ist eine sechzehnjährige Studentin an der High School. Sie fragte ihre Mutter, was sie am Tag danach wohl antreffen werde auf der Strasse, als colored woman in Trumpland. Ich kann mir nur vorstellen, wie sich andersgläubige und nicht-weisse Frauen, Männer, Kinder, Jugendliche im Moment fühlen müssen mit so einer Regierung, in der Leute sitzen, die sich nicht vom KKK distanzieren, die sich nicht für sexistische und rassistische Äusserungen entschuldigen, die glücklich zu sein scheinen, dass man das alles nun endlich wieder sagen darf… Und das Unfassbare ist, dass mehr als 50% der weissen Frauen, die gewählt haben, ihre Stimme Trump gaben. Für mich waren es jene konservativen Frauen, die ein angepasstes Leben an der Seite ihrer Männer führten, die deren traditionelles Familienbild teilten und in der Nebenrolle lebten, zu Hause blieben bei den Kindern, nach der Familienphase keinen Job bekamen oder es gar nicht erst versuchten, die Trump zum Sieg verhalfen. Diese weissen Frauen, teilweise reich, teilweise aber auch arm oder an der Armutsgrenze, konnten ihr eigenes Leben offenbar doch nicht in Frage stellen. Sie mussten das Alte bewahren, um nicht etwa am eigenen Leben und an ihrem Lebensstil zweifeln zu müssen.

In dieser  Woche nach der Wahl schienen hier alle in einer Art Vakuum zu schweben, verunsichert und destabilisiert. Man kann sich nur vorstellen, wie es sich für nicht-Weisse oder Nicht-Christen im Moment anfühlt. Das unbelievable but true-Gefühl, im negativen Sinn, brachte eine regelrechte Lähmung. Man las tagelang die News und konnte es nicht fassen, was gerade passiert. Eine Woche nach der Wahl sagte eine Kollegin zu mir, sie habe die ganze Woche nichts richtig zustande gebracht. Genau so ging es mir auch. Die Wahl des Donalds hat die Dinge nicht einfacher oder besser gemacht. Es hat es mir nicht leichter gemacht, hier bleiben zu wollen. Und so geht es mir nun jeden Tag.

Die New York Times berichtet täglich aus dem Trump Tower, die Bilder führen mir vor Augen, dass das alles einfach nichts mit mir zu tun hat. Das alles ist mir fremd. Und doch: Ich lebe jetzt in dieser Welt, in der Trump tatsächlich Präsident eines der mächtigsten Länder unseres Planeten ist. Die Menschen, die nun täglich als mögliche Kabinettsmitglieder gehandelt werden, oder die bereits bestätigt sind, bringen auch keine Erleichterung. Im Gegenteil: Es sind Ex-Generäle, die wegen ihrer harten Linie selbst in der Armee umstritten waren. Es sind Neoliberalisten, die alle sozialen Einrichtungen einreissen wollen, die Mindestlöhne von 15$ in der Stunde (oder noch weniger, je nach Staat) wieder abschaffen wollen, weil es geschäftsschädigend sei; alles Millionäre, die das Business an erster Stelle sehen und ihre Millionen an privatem Vermögen als ihre Daseinsberechtigung sehen. Es sind Medienprofis, die die Welt politisch rechtsaussen beschreiben, die ernsthaft eine alte Weltordnung aus dem Mittelalter beschwören, die nur darauf zu warten scheinen, den Kreuzzug gegen den Islam auszurufen; die ihren persönlichen Kampf als Ritter sehen, wie damals, als die Könige Englands den heiligen Krieg ausriefen und ihre Knechte nach Jerusalem schickten, um die Ungläubigen massenhaft zu massakrieren. Man muss es sich konkret vorstellen: Diese Leute sitzen jetzt an allen Schalthebeln der Macht. Sie haben nukleare Waffen und unvorstellbar viel Geld zur Verfügung, um jederzeit alle Knöpfe zu drücken und jeden Kopf rollen zu lassen, den sie als störend empfinden.

Bisher habe ich eigentlich an das Gute im Menschen geglaubt. Ich war vielleicht naiv, aber ich war davon überzeugt, dass die Menschen grundsätzlich und tief im Inneren gut sind. Menschlich eben. Diese Zeiten sind heute für mich vorbei. Und dann wird mir schlecht. In welcher Welt leben wir? Was hat das alles mit mir zu tun? Im Englischen gibt es ein Wort für dieses Gefühl: estranged. Die Art, wie ich mich bisher als Mitglied der Gesellschaft gefühlt habe, ist nicht mehr. Ich fühle mich estranged von meinem eigenen Dasein. Heute ist es einen Monat her, dass der Donald als president-elect die Welt verunsichert.